nur als Goalgetter in der Lübbecker Kreisliga A.

„Meine ganze Familie hatte schon immer etwas mit Pferden zu tun. Da wurde es mir quasi schon in die Wiege gelegt. Es gibt noch ein ganz altes Foto. Dabei sitze ich auf einem Pferd und habe einen Ball in der Hand“, lacht Ricardo Tenti. Es ist zugegeben eine seltene Kombination, doch der 23jährige hat eindeutig zwei Herzen in seiner Brust schlagen: Eins für Pferde und Springreiten, dass andere für den Fussball.

Auf den heimischen „Bolzplätzen“ ist Tenti ein gefürchteter Stürmer. 14 Spiele, 13 Tore: eine nicht so schlechte Quote in dieser Saison. Erst am letzten Sonntag schoss der schnelle Goalgetter des SSV Pr. Ströhen mit einem Hattrick beim 3:1 den Spitzenreiter VfB Fabbenstedt fast im Alleingang ab. Dennoch genießt der Pferdesport für Ricardo Tenti oberste Priorität. „Das ist mein Beruf und meine Leidenschaft“, stellt Tenti klar. Auch hier ist der 23jährige auf dem besten Wege, sich einen Namen zu machen. Aktuell arbeitet Tenti als Pferdewirt in Verden. Zuvor hatte er u.a. auch schon auf dem Gestüt von Paul Schockemöhle Erfahrungen gesammelt.

Reiten und Kicken? Das passt doch…

Schon immer war die Karriere von Ricardo Tenti zweigleisig. Wie im Reitsport hatte der gebürtige Osnabrücker auch im Fussball die Chance, in den Profibereich vorzustoßen. Erste Gehversuche mit dem runden Leder übernahm Tenti bei seinem Heimatverein BSV Rehden. Schon hier deutete sich das große Talent an. „In den Jugendmannschaften habe ich eigentlich immer im nächsthöheren Jahrgang gespielt“, so Ricardo Tenti. Beim niedersächsischen Regionalligisten schaffte es Tenti später sogar in den Kader der ersten Mannschaft. „Das war eine tolle Zeit. Auch wenn es nur Kurzeinsätze waren. Dabei habe ich auch mit Michael Wessel zusammengespielt, der mittlerweile ja wieder für Preußen Espelkamp spielt“.

Nach der Rehdener Zeit wechselte Tenti zum TSV Wetschen und schaffte dort den Aufstieg in die Landesliga. In dieser Zeit machte Tenti auch bei Recker Feinkost seine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Von Wetschen ging es zum VfL Osnabrück, wo der Angreifer mit der U23 in der Oberliga spielte. Osnabrück war aber zugleich der Wendepunkt im Gelage der Prioritäten. „Wir haben teilweise fünf bis sechs Mal in der Woche trainiert. Für den Aufwand waren letztlich die Einsatzzeiten zu wenig. Die Saison hat mir den Spaß am Fußball genommen. Danach war klar, dass ich erst einmal eine Pause vom Fußball mache und mich auf die Pferde konzentrieren werde“, blickt Ricardo Tenti noch einmal etwas zurück.

Im Reiteroutfit zum Fußballspiel

Die Pause hielt aber nur kurz an. Genauer gesagt nur knapp zwei Jahre. „Zum damaligen Zeitpunkt war ich am Wochenende häufig in Pr. Ströhen bei meiner damaligen Freundin. Irgendwann kam der Anruf von Andre Krause, den ich ja noch aus der Zeit in Wetschen kannte, mit der Frage, ob ich nicht wieder Lust aufs kicken habe. Dann wurde es irgendwie ein Selbstläufer“, so Ricardo Tenti auf die Frage wie der Kontakt zum SSV Pr. Ströhen zustande kam. Dabei musste zu Beginn erst einmal eine andere Hürde oder sagen wir es in der Reitsprache, ein anderes Hindernis genommen werden. „Es war immer klar, dass das Reiten an Nummer eins steht und ich dadurch nicht mit der Mannschaft trainieren kann. Das musste Andre vorher mit den Jungs besprechen. Nicht das es deswegen später Ärger gibt“. Es war keine große Sache, dass die Mannschaft hier mitspielen würde. „Ich hole mir die Kondition über die Spiele und es wird von Spiel zu Spiel besser. Aktuell läuft es wirklich sehr gut. Aber das geht auch nur, weil wir ein super Team haben. Es sind wirklich viele gute Fußballer in unserer Mannschaft und das macht es auch mir leichter. Und es ist natürlich großartig, dass auch die Mannschaft akzeptiert, dass ich nur an den Sonntagen zu den Spielen komme“, lobt Tenti den Teamgeist beim SSV Pr. Ströhen.

Ein wenig schmunzeln muss der 23jährige selbst, wenn er erzählt, dass er manchmal an den Sonntagen noch mit Reitoutfit zu den Spielen fährt. „Da gucken schon einige etwas verwundert und machen ihre Sprüche“, lacht Tenti. Nach den Spielen ist das dann meistens aber anders, wenn der Gegner festgestellt hat, dass der Mann in der Reitkluft auch enorm gut kicken kann. In Sachen Fußball und dem SSV Pr. Ströhen läuft es wirklich hervorragend für Ricardo Tenti. Spätestens durch den 3:1-Sieg am letzten Sonntag beim VfB Fabbenstedt haben sich die Nordkreisler in den Kreis der Titelanwärter gespielt. „So komisch es sich anhört, unser größtes Manko ist momentan die Chancenverwertung. Hier lassen wir noch zu viel liegen und stehen uns manchmal selbst im Weg. Wenn wir uns hier steigern, sähe es sicherlich etwas souveräner aus“, so Tenti selbstkritisch.

Am Sonntag wartet nun ein Heimspiel gegen den HSC Alswede. Ein sehr unbequemer Gegner für den aktuellen Tabellendritten der Kreisliga A. „Da haben wir im Hinspiel richtig Haue bekommen. Auch persönlich liegt mir Alswede nicht unbedingt. Aber wir sind gut in Form und wissen, was uns am Sonntag erwartet“, so Tenti. Das gefürchtete „M-Wort“, M wie Meisterschaft, ist bei den Spielern des SSV Pr. Ströhen aktuell noch kein Thema. „Wir wollen weiter oben mitspielen und die Anderen ärgern“, lacht Ricardo Tenti. Das nimmt mittlerweile interessante Züge an. Das wurde auch am letzten Sonntag deutlich. „Ich war mit meiner Familie im Urlaub und wollte eigentlich nicht spielen. Ich bin dann aber dennoch früher abgereist, was Andre Krause noch ein Essen kostet. Zeitgleich war in Drohne ein Reitturnier, wo auch Rainer Mannel gesehen wurde. Nach dem Spiel kam Rainer zu mir und meinte, er wollte sich vergewissern, dass ich wirklich beim Reitturnier bin und am Nachmittag nicht spiele“, scherzt Ricardo Tenti. „Als ich ihm erzähle, wie es abgelaufen ist, kam von Rainer die Aussage, er hätte den ganzen Urlaub bezahlt, wenn ich dafür weggeblieben wäre“. Der freundliche Umgang miteinander wird auch von Ricardo Tenti gelobt. „Auf dem Platz ist immer eine gewisse Anspannung. Aber mit fast allen Mannschaften macht es nach dem Spiel noch Spaß, ein Bierchen zu trinken“.

Pferde-Sport bleibt Favorit

Dennoch ist der Reitsport die klare Nummer eins beim großgewachsenen Ricardo Tenti. Und hier sieht der 23jährige eine klare Parallele zum Fußball. „Es geht nur mit Teamgeist. Nichts funktioniert allein. Auch beim Reiten muss die Beziehung zwischen Mensch und Pferd stimmen“, so Tenti. „Ich konzentriere mich aktuell auf die Ausbildung von jungen Pferden und damit geht es in Deutschland auf Tour. Dann packe ich meine sechs oder sieben Pferde in den LKW und es geht zu den Turnieren. Der Aufwand ist natürlich um ein Vielfaches höher, als am Sonntag die Fußballschuhe zu schnüren und das Trikot überzuziehen“, lacht Ricardo Tenti.

Auf dem Pferd wird Tenti auch hier bald zu sehen sein, wenn das Himmelfahrtsturnier in Pr. Ströhen ansteht. „Letztes Jahr waren schon einige Mannschaftskollegen da, um mich anzufeuern. Da gab es schon ein paar Sprüche, warum ich nicht dagewesen bin. Aber dieses Jahr ist ein Start fest eingeplant. Die Jungs sollen ja auch sehen, wie ich mich auf dem Pferd mache“, scherzt Tenti. Am Sonntag werden seine Mannschaftskollegen ihn aber erst einmal wieder in bekannter Montur mit kurzen Hosen und Trikot sehen. Einen kleinen Seitenhieb hat Trainer Andre Krause aber auch noch für seinen Goalgetter, der Fan vom VfL Wolfsburg ist, parat. „Der hat halt von Fußball keine Ahnung“. Dafür glänzt Ricardo Tenti auf dem Platz mit Taten.

https://www.fupa.net/berichte/ssv-pr-stroehen-ricardo-tenti-vom-gestuet-auf-den-bolzplatz-2348099.html

FuPa.net: RICARDO TENTI: VOM GESTÜT AUF DEN BOLZPLATZ!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.