Kapitel 6: Im Festzug durch den Ort

„Den Turnerinnen und Turnern aus dem Kreis Lübbecke und der Nachbargemeinde Hann. Ströhen, die zur Feier des Kreisturnfestes bei uns eingekehrt sind, entbietet die Gemeinde Pr. Ströhen und ihre Einwohnerschaft herzliche Willkommensgrüße.
Es ist das erste Mal, daß Pr. Ströhen die Ehre hat, ein Kreisturnfest ausrichten zu dürfen, und ich bin davon überzeugt, daß der SSV Pr. Ströhen bei seinen Bemühungen, dieses Fest in allen Teilen gründlich und zur vollsten Zufriedenheit seiner Teilnehmer auszurichten, von allen Einwohnern unserer Gemeinde unterstützt wird. Aus diesem Gefühl heraus begrüße ich die Turnerinnen und Turner mit frohen Jubel und heller Begeisterung. Möge dem Fest ein voller Erfolg beschieden sein, auf daß es allen Teilnehmern ein Fest der Freude werde, an das sie stets in stolzer Erinnerung zurückdenken.”

So hieß es im Grußwort von Bürgermeister Fritz Bollhorst zum Kreisturnfest, das unter dem Motto „Ein Turner wird nicht alt, er lebt nur länger” stand. An beiden Tagen fanden leichtathletische und turnerische Wettkämpfe statt.

Das Hauptprogramm fand am 20. Juli 1952 statt. Zum Auftakt dazu fand ein Festmarsch durch den Ort und danach der Aufmarsch der Vereine auf dem Sportplatz statt. Viele Menschen standen an den Straßen und sahen den Marsch der Vereine, Turnerinnen und Turner zu.                                  


Der Festzug der Turnerinnen und Turner mit der Fahnengruppe im Dorf neben der Kirche. Vorne die beiden Pr. Ströher Turner Wilhelm Reinking und Karl Meier, die als Reckturner besonders bekannt waren.

Reiter des Pr. Ströher Reitervereins ritten an der Spitze des über einen Kilometer langen Festzuges. Dann folgte eine große Fahnengruppe der Turnvereine aus dem Kreis Lübbecke. Weiter der Vorstand des Turnkreises und des SSV mit den Ehrengästen, Bürgermeister Fritz Bollhorst, Kreisoberturnwart Rudolf Cornelius und andere.

Danach kam der Spielmannszug des Schützenvereins unter der Stabführung von Wilhelm Rolfs, die beiden Schützenvereine Pr. Ströhen und Tielge, die Feuerwehr und der Radfahrverein „Adler” Pr. Ströhen auf buntgeschmückten Fahrrädern. Vor einer Gruppe von Fahnenschwenkern gingen die Pr. Ströher Dorfmusikanten und dann folgte die große Schar der in Weiß gekleideten Turnerinnen und Turner, Schülerinnen und Schüler im Turnanzug, Turner und Jugendturner in Turnkleidung und zum Schluß die Mitglieder des SSV Pr. Ströhen. Es war eine Veranstaltung, wie sie der Ort seitdem nicht wieder erlebt hat.

                                

Der Aufmarsch der Pr. Ströher Turnerinnen und Turner auf dem Sportplatz. An der Spitze Turnwart Wilhelm Borcherding mit Anneliese Buchholz und Friedrich Klasing.

Vor den Festzelten, die in etwa dort standen, wo sich heute die Reithalle und der Vorplatz befinden, (WDH) fand der Aufmarsch der Vereine statt, wurden Gruß- und Dankesworte gesprochen. Dann begannen die Wettkämpfe im Korb- und Faustball, die leichtathletischen Einzelkämpfe, Staffelläufe und auch Sondervorführungen der Vereine, bei denen die Turnerinnen und Turner des gastgebenden Vereins mit Volks- und Reigentänzen, mit Gymnastikübungen, Ballgymnastik und Reckturnen vertreten waren. Im Mittelpunkt des Interesses standen auch Darbietungen der Kreisriege.

Zum Abschluß des Tages fand die Siegerehrung statt, wobei auch der Vorsitzende der Turnvereinigung Minden-Ravensberg, E. Casselmann, ein Grußwort sprach. Bester Turner wurde Erich Hafer aus Stockhausen, beste Turnerin Lotti Bunk aus Lübbecke. Beide erhielten einen Kranz aus Eichenlaub überreicht.

Das Kreisturnfest war eine Anerkennung für die erfolgreiche Arbeit des SSV und seiner Turnabteilung. Besonderes Lob erhielt Wilhelm Borcherding, der schon 1913 dem Turnverein „Jahn” Pr. Ströhen angehörte und 1924 als Vorturner in eben diesem Verein tätig war. Später wurde Borcherding in Anerkennung seiner Verdienste um die Turnbewegung unter Ernennung zum Oberturnwart der Ehrenbrief des Turngaues Minden-Ravensberg verliehen.

                                  

Aufmarsch auf dem Sportplatz. Turnwart Wilhelm Borcherding begrüßte die Gäste der Gemeinde und des Turnkreises.

Erinnert werden soll in diesem Zusammenhang auch an den schönen Erfolg von Hermann Strathmann Nr. 34, der Kreissieger im 4.000 m Lauf wurde. Die A-Jugend errang bei den Herbst-Waldlaufmeisterschaften den 2. Platz und wurde Kreis-Vizemeister. An der erfolgreichen Entwicklung der Turnabteilung war auch Ilse Meier, geb. Niermann beteiligt, die auf der Jahreshauptversammlung des Vereins am 15. Januar 1953 vom Vorsitzenden Wilhelm Pieper mit einem Buch über die Olympiade 1952 geehrt wurde.