Kapitel 2: 50 Jahre in Pr. Ströhen Sport-Spiel-Vergnügen                                                                                             

„Am 2. Dezember 1947, abends 8 Uhr, fand im Saale von Theodor Bergmann die Gründungsversammlung des Spiel- und Sportvereins Pr. Ströhen statt. Zweck des Vereins ist die Ausübung sämtlicher erlaubter Sportarten wie Handball, Fußball, Tischtennis, Leichtathletik, Boxen, Geräteturnen und Laienspiele.

Gemeindebürgermeister Fr. Bollhorst eröffnete die Versammlung und gab seiner Freude über das zahlreiche Erscheinen der Sportfreunde Ausdruck. Er wünschte dem Verein namens der Gemeinde guten Erfolg zu seiner Arbeit.
In den Vereinsvorstand wurden einzeln vorgeschlagen und einstimmig gewählt:


Wilhelm Pieper, Pr. Ströhen 206, zum 1. Vorsitzenden;
Hermann Storck, Pr. Ströhen 19, zum 2. Vorsitzenden;
Wilhelm Borcherding, Pr. Ströhen 206, zum Kassierer;
Willi Hartmann, Pr. Ströhen 151, zum Schriftführer;
Heinrich Kröger, Pr. Ströhen 138, zum Vereinsjugendleiter;
Helmut Schlottmann, Pr. Ströhen 254, zum Vereinssportwart,
Heinrich Schmidt, Pr. Ströhen IV, zum stellvertr. Vereinsjugendleiter.


Die Gewählten nahmen die Wahl an. Der Verein und der Vorstand bedarf noch der Bestätigung durch die Militärregierung. Dem Verein wurde als Sportplatz das gemeindeeigene drei Morgen große Gelände an der Aue bei Hackmann von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Die Arbeiten zur Fertigstellung des Sportplatzes sollen mit Unterstützung der Gemeinde sofort in Angriff genommen werden.

Eine freiwillige Sammlung zur Deckung der ersten Unkosten brachte RM 114,50. Die Versammlung schloß um 11 Uhr.“

So lautet der Wortlaut des Gründungsprotokolls für den SSV Pr. Ströhen. Doch so einfach, wie es die von Schriftführer Willi Hartmann niedergeschriebenen Sätze zum Ausdruck bringen, war die Vereinsgründung nicht. Der Krieg war erst wenige Jahre zu Ende, die Militärregierung bestimmte die Entwicklung, auch auf dem Gebiet des Vereinswesen.

Der Gründungsbeschluß wurde über die deutsche Verwaltung in Lübbecke der Militärregierung vorgelegt. Vor der Genehmigung waren eine ganze Reihe von Auflagen zu erfüllen. So mußten auch von den Vorstandsmitgliedern ein Verzeichnis unter Angabe von Namen, Beruf, Anschrift und Stellung innerhalb des Vorstandes eingereicht und für sie ein Entnazifizierungsverfahren beantragt werden. Für die Jugendabteilung war ein gesondertes Genehmigungsverfahren notwendig. Die Entlastungszeugnisse für die Entnazifizierung wurden von der Denazifizierungskammer, auch „Dana” bezeichnet, die in Minden eingerichtet worden war, ausgestellt.

Das Zeugnis für Wilhelm Borcherding 206 lautete zum Beispiel wie folgt: „Entlastungszeugnis (Clearence Certificate) Nr. 1804. Hiermit wird bescheinigt, daß (It is hereby certified that) Herr Wilhelm Borcherding in Pr. Ströhen Nr. 206, Kreis Lübbecke, Personalausweis Nr.AB 569381 EGH unter den Bestimmungen der Verordnung Nr. 79 der Militärregierung entlastet worden ist. (Has been cleared under the provisions of Military Government Ordinauce Nr.79). Datum 22.11.47 Minden (Stempel) Unterschrift Signed gez. Fritsche, Vorgesetzter der Denazifizierungskammer.”

Ähnlich lauteten auch die übrigen mit der Schreibmaschine ausgestellten Zeugnisse. Später gab es Formulare. Die Formalitäten wurden reibungslos abgewickelt. Bis Mitte 1948 war die Vereinsgründung auch amtlich durch alle Instanzen gelaufen und genehmigt.

                                                                       

So sah das Entlastungs-Zeugnis für Helmut Schlottmann aus, das am 8. Juni 1948 von der Denazifizierungskammer in Lübbecke ausgestellt wurde.

Inzwischen war der Sportbetrieb bereits angelaufen. Eine am 1. Februar 1948 erstellte Mitgliederliste weist 101 Namen auf. Der Jugendabteilung des Vereins gehörten 25 Mitglieder an.